Der Markusplatz im Winter

In diesem Artikel erzähle ich Dir sehr viel über den schönsten Platz der Welt - das ist die Piazza San Marco auf jeden Fall für mich. Wenn Du aber nur schnell ein paar wichtige Infos oder Fakten benötigst, kannst Du gerne dieses Inhaltsverzeichnis nutzen. Du springst mit dem 'nach-oben-Button' (rechts unten zu finden) wieder hierhin zurück. Ich wünsche Dir ein paar informative und inspirierende Minuten.

Es gibt unzählige Plätze in Venedig, doch nur einer ist für die Venezianer auch würdig genug, so genannt zu werden.

 

Piazza ist das italienische Wort für Platz, und nur die Piazza San Marco darf sich so nennen. Jeder andere Platz in der Stadt wird campo genannt (italienisch für Feld), weil diese Plätze ursprünglich nicht gepflastert waren und man dort Obst und Gemüse verkauft hat.

 

"Wer am Markusplatz sein Herz nicht schlagen fühlt, der hat keines."   Franz Grillparzer


Heute ist er 175 m lang und bis zu 82 m breit und hat eine lange Geschichte. Er stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde seit dieser Zeit als Ort für Ankündigungen und Staatsakte der Stadtverwaltung genutzt. Aber hier wurde auch seit jeher der Karneval und andere Feste für die Bevölkerung Venedigs gefeiert. Der Platz war religiöses, politisches und gesellschaftliches Zentrum Venedigs.


Ein Platz voller Magie und Prestige

Seine jetzige Größe erhielt er im 12. Jahrhundert durch die Zuschüttung eines Kanals, der bis dahin quer über den Platz verlief. Knapp 100 Jahre später wurde er gepflastert. Über einen Zeitraum von 400 Jahren wurde an seinem Aussehen gefeilt, er wurde im Laufe der Zeit erweitert, Gebäude wurden um ihn herum errichtet und nach Bränden wieder aufgebaut.

 

Im 16. Jahrhundert entstand sein heutiger Umriss und die für ihn charakteristischen weißen Linien aus Marmor stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie halfen den Marktleuten, die Position ihre Stände zu finden und lassen den Platz durch ihr geometrisches Muster länger erscheinen.

 

Wenn man aus den engen Gassen im Stadtteil San Marco heraus auf den Markusplatz tritt, ist man schier überwältigt von der Größe und der Pracht dieses Ortes. Natürlich haben auch die Venezianer die Magie und das Prestige dieses Platzes früh für ihre eigenen Zwecke genutzt und die Schiffe ihrer Besucher und Staatsgäste hier anlegen lassen, damit dieses unvergleichlich schöne Ambiente auf sie wirken konnte.

Der Markusplatz vom Campanile


Viele Sehenswürdigkeiten säumen den Platz

Gesäumt wird der Platz vom Markusdom, dem Dogenpalast, den Prokuratien (auf dem Bild oben rechts und links zu sehen), hoch über allem ragt der Campanile. Alles ist hier prunkvoll und imposant und sollte die Macht und den Reichtum Venedigs unterstreichen. Im Norden und Süden wird der Markusplatz von den Alten und Neuen Prokuratien begrenzt. Ab dem 16. Jahrhundert waren sie Sitz der Prokuratoren, ursprünglich Verwalter des Kirchenvermögens, im Laufe der Zeit verantwortlich für die gesamte kommunale Verwaltung.

 

Nachdem die Alten Prokuratien im Norden aufgrund des immer größer werdenden Verwaltungsapparats zu klein wurden, errichtete man im 17. Jahrhundert die Neuen Prokuratien auf der gegenüberliegenden südlichen Seite. Verbunden werden beide Prokuratien durch einen Verbindungsriegel an der Westseite, direkt gegenüber des Markusdoms, dem sogenannten Ala Napoleonica (napoleonischer Flügel) aus dem 19. Jahrhundert.

Hier befindet sich auch der Eingang zum Museo Correr, dem Städtischen Museum von Venedig mit seiner wertvollen Sammlung von Büchern, Manuskripten, Gemälden und kunstgewerblichen Altertümern.

 

Seit einigen Jahren sind hier auch wieder die Privatgemächer der legendären österreichischen Kaiserin Sissi hergerichtet, die zweimal für insgesamt mehr als acht Monate in den Jahren 1854 bis 1862 in der Lagunenstadt verweilte und sich bei ihrem zweiten Besuch für über ein halbes Jahr in den Prokuratien einrichtete.

 

Im Jahr 2009 wurde mit der Renovierung der bis dahin als Büroräume genutzten kaiserlichen Räumlichkeiten begonnen und seit 2012 kann man den Kaiserflügel wieder in vergleichbarer Pracht bewundern – inklusive originaler Seidentapete, bayerisch-österreichischem Wappen und einem Baudoir ausufernd mit Maiglöckchensträußen, den Lieblingsblumen der Monarchin, bemalt.

(Bild links: Eine Sammlung wertvoller Globen im Museo Correr)


Am Nordende des Platzes und als Abschluss der Alten Prokuratien erhebt sich der mächtige Torre dell'Orologio, der Uhrturm. Er wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut und besitzt eine astronomische Uhr mit einem Ziffernblatt aus Lapislazuli, die die Mond- und Sonnenphasen und die Tierkreiszeichen anzeigt. Gekrönt wird er von zwei großen Statuen, die auf einer Bronzeglocke die Stunden anschlagen.

Unter dem Glockenturm befindet sich ein Durchgang, durch den man die Mercerie (bedeutet auf italienisch Kurzwaren) betritt, das Labyrinth von Einkaufsstraßen, die sich von hier bis zur Rialtobrücke erstreckt. Hier siedelten sich schon im Mittelalter Kaufleute an und boten ihre Waren an. So entwickelten sich die verwinkelten Straßenzüge im Laufe der Zeit zur klassischen Einkaufsmeile, wo man neben Lebensmitteln, Souvenirs, Karnevalsmasken auch Kleidung und Schmuck kaufen kann – je näher man sich dem Markusplatz nähert, umso exklusiver werden die Geschäfte: Prada, Chanel und Co lassen grüßen ...



Wenn es in Venedig Kalt oder nass wird

Der Markusplatz eignet sich an einem ungemütlichen Wintertag als Ausgangspunkt für ein entspanntes Sightseeing, da es hier einige Sehenswürdigkeiten an einem Ort gibt, die Du von innen, trocken und warm, besichtigen kannst. Ich fasse für Dich hier alle wichtigen Informationen rund um den Besuch des Markusplatz einmal zusammen:


Das Museo Correr ist ein reich bestücktes Stadtmuseum, das die (Kunst-)Geschichte Venedigs des 16./17. Jahrhunderts dokumentiert. Grundstock ist die umfangreiche Sammlung venezianischer Exponate des Adeligen Teodoro Correr (1750-1830). Die Ausstellungsstücke reichen von einer Dogenkrone über Prunkgewänder hoher Würdenträger, einer interessanten Münzsammlung bis zu einer kostbaren Skulpturen- und Gemäldegalerie. Meine Höhepunkte im Museo Correr sind der erste um 1500 geschaffene detaillierte Stadtplan von Jacopo de' Barbari und das berühmte Carpaccio Gemälde der zwei "Venezianischen Damen".

  • Öffnungszeiten im Winter (1. November bis 25. März): 10 bis 17 Uhr / am 25.12. und 01.01. geschlossen
  • Eintritt: 19 Euro, ermäßigt (Kinder 6-14 Jahre, Schüler/Studenten 15-25 Jahre) 12 Euro. Das Ticket berechtigt zum Eintritt in das Museo Correr, Nationale Archäologische Museum, der Bibliothek und dem Dogenpalast! Es gibt keine Möglichkeit, einzelne Tickets für die genannten Museen zu erwerben.
  • Eingang in der Mitte des napoleonischen Flügels über eine große Steintreppe
  • Besichtigungsdauer: ca. 90 Minuten
  • weitere Informationen auf der englischsprachigen Homepage

TIPP: Wenn Sie an einem Rundgang durch das Museum nicht interessiert sind, sollten Sie auf jeden Fall eine kleine Pause in dem schönen Museumscafé einlegen. Hier erhalten Sie zu einem gemäßigten Preis (ca. 3,50 Euro) ein warmes Getränk und dazu einen traumhaften Blick auf den Markusplatz.

 

Im Markusplatz-Museums-Ticket ist auch der Eintritt in das Nationale Archäologische Museum enthalten. Es gehört zu einem der ältesten Museen Nordeuropas. Wenn Du dich für griechische und römische Skulpturen, oder ägyptische und assyrisch-babylonische Antike interessieren, solltest Du die prachtvollen Räumen, die an das Museo Correr angeschlossen sind, besichtigen. Wenn Dich dieses Thema nicht so interessiert, kannst Du auf den Besuch ruhig verzichten.  Allerdings solltest Du dir 30 Minuten Zeit nehmen und durch die monumentalen Hallen der Nationalbibliothek (ebenfalls im Eintritt enthalten) wandeln. Die üppig dekorierten Wände und Decken versprühen einen authentischen Eindruck des alten Venedigs.

 

Wie bereits erwähnt, ist der Eintritt in den Dogenpalast im Markusplatz-Museums-Ticket enthalten. Der Dogenpalast befindet sich direkt neben dem Markusdom und gehört für mich zu den Top10-Sehenswürdigkeiten, die man in Venedig besucht haben sollte.

  • Öffnungszeiten im Winter (1. November bis 25. März): 8:30 Uhr bis 17:30 Uhr / am 25.12. und 01.01. geschlossen
  • Eintritt: 19 Euro, ermäßigt (Kinder 6-14 Jahre, Schüler/Studenten 15-25 Jahre) 12 Euro. Das Ticket berechtigt zum Eintritt in den Dogenpalast, sowie das Museo Correr, das Nationale Archäologische Museum und der Nationalbibliothek! Es gibt keine Möglichkeit, einzelne Tickets für die genannten Museen zu erwerben.
  • Eingang Porta del Frumento (am Markusbecken)
  • Besichtigungsdauer: ca. 90 Minuten
  • weitere Informationen auf der englischsprachigen Homepage

Am Markusdom führt kein Weg vorbei. Die Basilica di San Marco erhebt sich atemberaubend im Osten des Markusplatzes. Von außen ist die Kirche schon ein Augenschmaus. Das Innere verschlägt einem fast den Atem.

  • Öffnungszeiten im Winter (Oktober bis Ostern): 9:30 Uhr bis 17:00 Uhr / Sonn- und Feiertage: 14:00 bis 16:00
  • Eintritt: frei
  • Eingang direkt über den Markusplatz
  • Besichtigungsdauer: ca. 30 Minuten (ohne Schatkammer)
  • Bitte beachten: Fotografieren und Filmen ist in der Kirche verboten
  • weitere Informationen auf der englischsprachigen Homepage

 

Wenn Du mit dem Vaporetto zum Markusplatz kommst, steige bitte (je nach Linie) an diesen Stationen aus : Valaresso, San Zaccaria oder Giardinetti


Der wahrscheinlich teuerste Kaffee der Stadt

Rund um den Markusplatz gibt es einige wunderschöne altehrwürdige Kaffeehäuser, darunter mit dem Caffè Florian das älteste Italiens. Am 29. Dezember 1720 wurde es von Floriano Francesconi unter dem Namen Alla Venezia Trionfante gegründet, aber nach kurzer Zeit von den Venezianern nur noch nach dem Vornamen seines Besitzers Caffè Florian genannt. Durch die Nähe zum Dogenpalast gelang es, die politische und philosophische Elite der Stadt relativ schnell für sich zu begeistern, so dass bald Künstler, Politiker und Adlige sich im Florian vergnügten, zumal man sich an den Pariser Cafés orientierte und zusätzlich Speisen und Alkohol anbot.


In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Café umgebaut, es entstanden opulente neue Räume in griechischem, orientalischem und chinesischem Stil und ein Salon mit Porträts berühmter venezianischer Bürger wie Carlo Goldoni, Marco Polo oder Tizian. Im Jahr 1893 entwickelte der damalige Bürgermeister Riccardo Selvatico mit einigen Freunden im Florian die Idee einer italienischen Kunstausstellung, aus der später die Biennale von Venedig hervorging.

Im Wesentlichen ist die Ausstattung seit dem 19. Jahrhundert identisch geblieben, so dass man heute noch das Flair und die Atmosphäre dieser Epoche im Florian spüren kann. Sobald es wärmer wird und solange es das Wetter zulässt steht vor dem Café eine Bühne, auf der Live-Musik gespielt wird. Im Caffè Florian tranken und speisten Größen wie Goethe, Casanova, Richard Wagner oder Thomas Mann. Das alles hat natürlich seinen Preis: ein Cappuccino, Caffé Latte oder Latte macchiato kosten ca. 9€, einen Musikzuschlag von 6€ zahlt man automatisch bei Livemusik – egal, ob die Band gerade spielt oder Pause hat.

Direkt gegenüber des Caffè Florian liegt das Gran Caffè Quadri. Seit 1775 wird hier Kaffee verkauft, zuerst, wie im Florian, als einfache Ausschankstätte, um den türkischen Kaufleuten, die das Heißgetränk schon seit knapp 100 Jahren den Venezianern verkauften, Konkurrenz zu machen. Durch den Verkauf von Wein und die Zubereitung von kleinen Speisen wurde das Café schnell in und über Venedig hinaus bekannt und zu einem weiteren beliebten Treffpunkt für venezianische Politiker und Aristokraten. Heute umfasst die Weinkarte des einzigen Restaurants am Markusplatz über 700 Weine, die die Gäste mithilfe einer virtuellen Weinkarte ordern können.


Der tiefste Punkt Venedigs wird bei aqua alta zum Laufsteg

Beim alljährlich wiederkehrenden aqua alta ist der Markusplatz als tiefster Punkt der Stadt auch als erster überflutet. So verwandelt sich der Platz meist über Nacht in einen knöcheltiefen Swimmingpool, den man entweder stilecht und ganz wie ein Venezianer mit Gummistiefeln überquert, oder die bereitgestellten Stege nutzt, um trockenen Fußes zur nächsten Sehenswürdigkeit zu kommen. Wenn Du Platz im Koffer hast, solltest Du unbedingt Gummistiefel zu dieser Jahrezeit einplanen. Du kannst weite Teile der Stadt bei aqua alta über Stege erreichen - manchmal geht es aber nicht ohne Gummistiefel, wenn Du nicht mit nassen Schuhen durch die Stadt laufen, oder Regenüberschuhe* vor Ort kaufen willst.


Wichtig zu wissen, was auf dem Markusplatz verboten ist:

Seit 2010 ist es verboten, auf dem Markusplatz Tauben zu füttern. Dieses weltberühmte Fotomotiv kann bis zu 500 € Strafe kosten. Aus hygienischen Gründen untersagt es die Stadtverwaltung den Touristen, sich mit den Vögeln auf ihren Armen und teilweise sogar auf den Köpfen ablichten zu lassen. Der Vogeldreck ist für  den kostbaren Marmorboden des Platzes und die umliegenden Gebäude ein echtes Problem.

 

Aber auch wenn die Tauben nicht mehr gefüttert werden, weg sind sie trotzdem nicht, so dass der Markusplatz und Venedigs Tauben nach wie vor zusammen gehören – und es wahrscheinlich auch immer bleiben werden.